Aufbau einer Lungensportgruppe – aus ärztlicher Sicht
Der tägliche Umgang mit den COPD-Patienten zeigt die Notwendigkeit des körperlichen Trainings auf. Was jedem Arzt – ob Hausarzt oder Facharzt- hinsichtlich des flächendeckend betriebenen Herzsports einsichtig ist, trifft für den lungenkranken Patienten , insbesondere für die COPD noch lange nicht zu. Täglich erfahren wir die Unzulänglichkeit der alleinigen medikamentösen Therapie, sehen bei jedem besuch die weitere Verschlechterung der körperlichen Situation der Patienten. Durch die Dyspnoe sind sie in ihrer körperlichen Aktivität limitiert und erfahren eine fortschreitende Dekonditionierung . Aus Angst vor der Situation „ Luftnot “ kommt die Bewegung immer mehr zu kurz. Über viele Jahre wurde körperliche Schonung propagiert , dabei zeigen zahlreiche Untersuchungen seit Jahren die Erfolge des Trainings. Schon vor Jahren berichteten insbesondere die Kurkliniken über die Erfolge des Asthmasports. Auch die stationäre pulmonale Rehabilitation dokumentiert zunehmend die Erfolge des Trainings hinsichtlich Dyspnoe, Verbesserung der Belastbarkeit im Alltag und Reduktion von Exazerbationen und damit der Lebensqualität . Um den motivierten Patienten (nach Reha oder aus dem Klientel der Praxis) eine Anlaufstelle für ein geeignetes Training zu geben, habe ich vor 7 Jahren eine Lungensportgruppe gegründet. Hier findet Sport angepasst an die individuellen Bedürfnisse mit speziell ausgebildeten Übungsleitern statt. Wir begannen mit 4 Patienten ein 1x wöchentliches Training , nachdem wir die Hürde einer adäquaten Turnhalle genommen hatten. Eine qualifizierte Trainerin ( Physiotherapeutin) , die Erfahrung mit obstruktiven Lungenerkrankungen hatte , fanden wir auch. Neben viel Spaß und manchem Muskelkater stellte sich eine rasche Verbesserung fast aller Patienten ein. Die zahlreichen sozialen Aspekte , wie Sport unter Gleichgesinnten und das Wir-Gefühl der Gruppe unterstützten diesen Prozess. Nunmehr zählen wir 24 Mitglieder, die regelmäßig am Training teilnehmen und teilweise bis zu 35 km fahren müssen, um zu ihrer Lungensportgruppe zu kommen. Organisatorisch waren wir zunächst dem lokalen Behindertensport untergeordnet , haben dann der |
Gruppe aber eine eigene Vereinsstruktur gegeben, die dem Behindertensportverband auf Landesebene angehört, ansonsten aber eigenständig ist. Hier erfolgen auch die Abrechnungen der Lungensportverordnungen mit den KK. Die Finanzierung der Gruppe erfolgt zum einen über die Lungensportverordnungen , was jedoch keinesfalls kostendeckend ist. Wir erheben daher von jedem Mitglied einen Beitrag von ca 15,00 Euro pro Monat , der rechtlich durch das erweiterte Sportangebot neben Lungensport zu rechtfertigen ist und können damit die Kosten decken.
Die Trainerinnen haben in den Sonderkursen der AG Lungensport die Zusatzqualifikation ………….. erworben. Die Patienten rekrutieren wir aus den beiden pneumologischen Praxen im Stadtgebiet , aber auch zahlreiche Hausärzte sind bereits sensibilisiert und weisen uns Patienten zu. Eine Lungensportgruppe mit Patienten leichten Schweregrades bedarf gemäß den Richtlinien nicht eines anwesenden Arztes, da bei uns aber Patienten mit COPD GOLD III und IV trainieren , ist die Anwesenheit des Arztes erforderlich. Dies wird von den Patienten dankbar angenommen und gibt dem betreuenden Arzt die Möglichkeit , Schulungsinhalte aufzufrischen und die Fortschritte zu dokumentieren, z.B. anhand der regelmäßig aufgezeichneten 6-min-Gehstrecke. Die Struktur unserer Gruppe ist gemischt,. COPD GOLD II –IV und Asthma St. II- III. 2 Patienten benötigen unter Belastung eine Sauerstofftherapie, Männer und Frauen ausgeglichen, Alter 40- 78 Jahre. Neben einem abwechslungsreichen Training der Koordination, Kraft und Ausdauer bieten wir in der hellen Jahreszeit Nordic Walking an.
Zusammenfassend blicken wir auf 7 Jahre erfolgreichen Lungensport zurück , können von einem erfreulichen Wachstum der Mitgliederzahlen mit sehr geringer Fluktuation berichten. Bei weiterem Wachstum wird im Laufe des Jahres eine zweite Gruppe das Training aufnehmen. Die Lebensqualität hat für alle erheblich zugenommen, die Exazerbationen sind rückläufig. Die Patienten haben eine Gruppe gefunden, wo sie trotz ihrer Beeinträchtigung Sport treiben können , die Belastung an ihre Bedürfnissee angepasst ist und somit psychische Hemmnisse vor Sport in der Gruppe nicht vorliegen . Nach 4 Jahren ist die Gruppe ein wichtiger sozialer Faktor für die Patienten , aber auch für mich als betreuende Ärztin geworden. Die Erfahrung im Sport mit der COPD sollte uns motivieren , weitere Lungensportgruppen zu gründen, zu betreuen und den Lungensport zu propagieren. |